Gute Zahlen heben den DAX nicht – und genau das ist das Signal
Starke Ergebnisse können die Zweifel an der Profitabilität von KI kaum ausgleichen. Wenn Erwartungen statt Gewinne die Richtung vorgeben, ist Rebalancing besser als Rallyes hinterherzujagen.
Wenn gute Nachrichten einen Aktienmarkt nicht tragen können, wofür zahlt er dann eigentlich? Diese Frage stellt der DAX an diesem Donnerstag, und wir meinen, sie verdient eine bessere Antwort als „einfach ein schlechter Tag“.
Die Notiz von CMC Markets für den 22. Oktober beschreibt die Sitzung als schwächeren Auftakt, in dem starke Unternehmensergebnisse die Zweifel an der Profitabilität von KI kaum ausgleichen können. AFP berichtet, dass die Aktienmärkte am Donnerstag nachgaben, weil Technologiewerte nach gemischten Zahlen der Schwergewichte von der Wall Street ihre Talfahrt fortsetzten, während die Ölpreise sprangen. Die Schlussbilanz des Tages ist weniger wichtig als das Muster dahinter.
Gute Ergebnisse sind das Eintrittsgeld, nicht der Preis
Neu ist das nicht. Im Februar wies CMC Markets darauf hin, dass Heidelberg Materials und Scout24 nach der Vorlage ihrer Zahlen an Wert verloren – ein Muster, das es in jener Berichtssaison nach eigener Aussage bereits mehrfach gesehen hatte. Dieselbe Notiz hielt fest, dass der DAX in jenem Monat dreimal an der Marke von 25.300 Punkten umgekehrt war.
Im August erklärte die Auswertung der Deutschen Bank, wie manager magazin berichtete, 70 % der DAX-Unternehmen hätten die Erwartungen übertroffen, und das Gewinnwachstum sei das stärkste seit mindestens dem ersten Quartal 2024. Trotzdem schloss der Index an jenem Tag nach einer Rekordserie leicht im Minus.
Darum geht es. Ist ein Übertreffen der Erwartungen bereits eingepreist, ist es lediglich Standard. Cisco legte im selben August-Bericht überraschend gute Zahlen vor und fiel dennoch um 8,8 %, weil der KI-Ausblick enttäuschte. Die Aktie hatte zu diesem Zeitpunkt im Jahresverlauf 47 % zugelegt. Unseres Erachtens bleibt für eine Aktie, die so weit gelaufen ist, kein Spielraum für „ordentlich“.
Das makroökonomische Umfeld lässt wenig Geduld
Ergebnisse existieren nicht im luftleeren Raum. Am 7. Oktober schloss der DAX 1,35 % tiefer bei 25.104,36 Punkten. Tags darauf fiel er unter 25.000 Punkte und schloss bei 24.807; hohe Anleiherenditen, steigende Ölpreise und Sorgen um die französischen Staatsfinanzen belasteten. Brent kostete an diesem Tag rund 102,6 US-Dollar je Barrel, wozu Berichte über mögliche neue US-Angriffe auf den Iran beitrugen. Das Allzeithoch von 26.618,74 Punkten im Handelsverlauf, erreicht am 28. August, lag deutlich über diesem Schlusskurs.
Mark Haefele von UBS blieb angesichts des wachsenden Abstands zwischen französischen und deutschen Anleihen gelassen. Er sieht kein Anzeichen für eine unmittelbare Finanzierungskrise und argumentiert, dass verbesserte Gewinne europäischen Aktien helfen können, mit moderat höheren Renditen zurechtzukommen. Das ist eine vernünftige Sicht. Doch „zurechtkommen können“ heißt nicht „belohnt werden“, und der Markt scheint derzeit eher für Letzteres zu zahlen als für Ersteres.
Was zu tun ist: Rebalancing statt Hinterherlaufen
Wir sagen keinen Crash voraus, und nichts hier spricht dafür. Wir sagen, dass der Kauf in der Hoffnung, gute Ergebnisse lösten endlich eine Rallye aus, eine schlechte Wette ist, denn der Markt hat wiederholt gezeigt, dass er gute Nachrichten verkaufen kann. Drei praktische Überlegungen, die allgemeine Grundsätze und keine persönliche Beratung sind:
- Liegt der Aktienanteil über Ihrer Zielgewichtung, ist ein Zurückstutzen Disziplin, kein Pessimismus.
- Liegt er darunter, ist es besser, Käufe über die Zeit zu verteilen, als den Tag erraten zu wollen, an dem der Markt gute Ergebnisse nicht mehr bestraft.
- Verstehen Sie eine einzelne Sitzung als Information über die Positionierung, nicht als Urteil über den Wert eines Unternehmens.
Die überschätzte Vorstellung ist, dass die Berichtssaison die Kurse automatisch stützt. Die unterschätzte lautet: Ein Markt, der bei ordentlichen Ergebnissen fällt, liefert eine Information – er verlangt mehr als „ordentlich“. Hören Sie darauf, und halten Sie keine Erholung für einen Ausbruch.
Unser Fazit: Die kommenden Wochen, in denen Öl, französische Anleiheaufschläge und KI-Prognosen weiter eine Rolle spielen, werden zeigen, ob die Käufer mit Überzeugung zurückkehren. Bis dahin würden wir eher rebalancieren, als auf Momentum zu setzen.
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