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Märkte preisen endlose KI-Ausgaben ein, und Pharma fängt den Fall nicht auf

Der Tag, an dem die KI-Investitionen nicht mehr wachsen, ist der eigentliche Test für Aktien. Die defensive Rotation ist aus unserer Sicht weniger unabhängig von KI, als sie aussieht.

Veröffentlicht
1. November 2026
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4 min
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KI-generiertes Bild

Was, wenn der gefährlichste Moment für KI-Aktien nicht ein Einbruch bei der KI ist, sondern der Tag, an dem die Ausgaben schlicht aufhören zu wachsen? Märkte brauchen keinen Zusammenbruch der KI-Investitionen, um Schaden zu nehmen. Es genügt, wenn sie sich abflachen, denn wir vermuten, dass die heutigen Kurse genau das ausschließen.

Das ist der unbequeme Gedanke in einem Beitrag des Corriere della Sera. Er argumentiert, dass die KI-Investitionen früher oder später nachlassen werden und das Wirtschaftswachstum, das derzeit weitgehend direkt und indirekt von den neuen Technologien gestützt wird, darunter leiden dürfte. Der Beitrag streift auch eine Rückkehr zu traditionellen Sektoren. Zugleich meldet eine Schlagzeile bei AOL, KI-Aktien hätten soeben 5 Billionen Dollar verloren. Wir kennen nur die Schlagzeile; die Zahl ist daher ein Zeichen von Nervosität, kein Urteil.

Eine Wachstumsverlangsamung schmerzt mehr als sinkende Ausgaben

Hier die Logik, es ist unsere Interpretation. Eine Bewertung ist eine Wette auf künftiges Wachstum. Wenn Anleger heute für stetig steigende Ausgaben zahlen, ist ein Ausgabenniveau, das nur hoch bleibt, eine Enttäuschung. Chiphersteller, Cloud-Anbieter und Zulieferer verkaufen in das Budget anderer hinein. Wächst dieses Budget nicht mehr, sinkt ihre Wachstumsrate, selbst wenn niemand einen einzigen Auftrag storniert.

Auch die Finanzierungsseite wirkt ähnlich überschwänglich. Laut einem Bericht von Telecompaper, der sich auf The Telegraph beruft, sammelt das Londoner KI-Chip-Start-up Fractile Berichten zufolge rund 700 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 6,5 Milliarden US-Dollar ein; der Sovereign AI Fund des Vereinigten Königreichs ist unter den Investoren. Das ist ein einzelner Deal und noch dazu eine Meldung, er beweist also nichts über den ganzen Markt. Er deutet aber an, dass auch öffentliches Geld diesem Thema hinterherläuft. Solche Bewertungen funktionieren nur, solange die Musik weiterspielt.

Die Rotation in Pharma ist real, aber kein sicherer Hafen

Die erste Zuflucht ist bereits sichtbar. Laut Milano Finanza legten die wichtigsten Gesundheitsindizes im Euroraum im vergangenen Monat um mehr als 8,5 % zu, während globale Aktien der Industrieländer 0,7 % gewannen. Ein Fondsmanager von Comgest beschreibt den Sektor als „defensives Wachstum, das von der künstlichen Intelligenz entkoppelt ist“.

Wir wären vorsichtiger als dieser Satz. Im selben Artikel nennt ein Robeco-Manager das Gesundheitswesen einen der interessantesten Fälle der Monetarisierung von KI, und ein Manager von ARK Invest spricht von einer „Konvergenz“ von Genomik und KI. Biotechnologie und Genomik haben seit Jahresbeginn 2026 mehr als 20 % zugelegt, ein ARK-ETF steht mehr als 70 % im Plus. Das mag ein gutes Investment sein. Ein Ausweg aus der KI ist es offenbar nicht. Kippt die Stimmung gegenüber dem Thema, könnte ein Teil dieser Rally mitkippen.

Derselbe Artikel liefert einen Realitätscheck. Manche Unternehmen der Branche sind noch nicht profitabel, und ihre Aktien können bei Ergebnissen klinischer Studien oder regulatorischen Nachrichten stark schwanken. Der Stratege von Lombard Odier merkt zudem an, dass Pharma und Biotech ab 2022 wiederholt hinter dem Markt zurückblieben; die jüngste Erholung ist also jung. Eine Outperformance über einen Monat ist ein Signal, kein Trend.

Können traditionelle Sektoren das Geld aufnehmen? Wohl nicht alles

Uns liegen keine Zahlen dazu vor, wie groß der KI-nahe Teil des Marktes im Vergleich zum Gesundheitswesen oder anderen defensiven Sektoren ist; eine Größenordnung können wir daher nicht nennen. Die Frage verdient dennoch Beachtung: Wenn ein Thema so viel vom jüngsten Wachstum getragen hat, können kleinere Sektoren eine große Rotation aufnehmen, ohne dass ihre Kurse in die Höhe schnellen und ihr Reiz schwindet? Unsere Einschätzung: Einen Teil können sie aufnehmen, nicht alles. Die Rotation kann einen Rücksetzer abfedern, den Motor aber nicht ersetzen.

Prüfen, wie viel des Portfolios an KI-Budgets hängt

Das ist keine Anlageberatung, und wir wissen nicht, wann oder ob die Ausgaben abflachen. Die Frage ist aber praktisch und leicht zu beantworten. Gehen Sie Ihre Fonds und ETFs durch und addieren Sie, wie viel in den großen KI-Namen steckt, direkt oder über Indexgewichte. Prüfen Sie dann, ob sich Ihre „Diversifizierer“ wirklich anders verhalten oder nur KI unter anderem Etikett enthalten. Vorsicht bei Listen, die fein säuberliche KI-„Käufe“ der Woche versprechen: Sie sagen, was man jagen soll, nicht, was passiert, wenn die Ausgaben sich abflachen.

Unser Fazit: Das Risiko ist nicht die KI selbst, sondern die Annahme, dass ihre Budgets nur steigen. Defensive Sektoren verdienen einen Blick, aber als teilweise Absicherung, deren eigene Risiken man versteht, nicht als Rettungsboot. Wer weiß, wie viel seines Portfolios an dieser Annahme hängt, ist besser vorbereitet als jemand, der hofft, die Rotation richte es schon.

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