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Invesfera-Redaktion
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4 % aufs Tagesgeld in Deutschland: Die Angebote sind echt, aber ein Werkzeug, kein Plan

Zinsen über 4 % gibt es für deutsche Sparer tatsächlich, doch sie sind befristet, an Neukunden gebunden und oft mit Auflagen verknüpft. Bei unveränderter EZB-Linie gilt: als Taktik nutzen.

Veröffentlicht
30. Oktober 2026
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3 min
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Sind 4,5 % auf das eigene Guthaben zu schön, um wahr zu sein? Nicht ganz. Das Angebot ist echt, aber deutlich weniger einfach, als die Schlagzeile nahelegt.

Wie die Morgenpost berichtet, liegen in Deutschland derzeit mehrere Anbieter bei 4 % oder darüber auf dem Tagesgeld (dem Sparkonto mit täglicher Verfügbarkeit). Der höchste Aktionszins liegt bei XTB mit 4,50 %, gefolgt von Revolut mit 4,25 %; Chase und einige weitere Anbieter bieten 4,00 % oder etwas mehr. Die EZB hat ihre Leitzinsen am 29. Oktober unverändert gelassen, und einige Banken bessern ihre Angebote weiter nach.

Soweit die gute Nachricht. Alles Weitere steht im Kleingedruckten, und das Kleingedruckte ist unserer Einschätzung nach der eigentliche Kern der Sache.

Der Werbezins ist ein Geschenk auf Zeit, kein neuer Normalzustand

Ein Blick auf die Konstruktion dieser Angebote zeigt: Es handelt sich um Aktionszinsen, und die meisten Garantiezeiträume betragen grob drei bis vier Monate (bei der VW Bank sechs). Chase zahlt 4,0 % für vier Monate auf bis zu 500.000 Euro, wie ein weiterer Bericht der Morgenpost zeigt; danach liegt der variable Zins derzeit bei 2,25 %. Die VW Bank bietet 3,75 % für sechs Monate, anschließend liegt ihr Basiszins derzeit bei 1 %. Man muss es zweimal lesen: Der Zins, für den man sich entschieden hat, kann nach Ende der Aktion um mehr als die Hälfte sinken.

Das wirkt wie ein klassisches Modell zur Neukundengewinnung. Banken zahlen eine Prämie, um frisches Geld zu gewinnen, und setzen anschließend, so unser Verdacht, auf die Trägheit der Kunden, um es zu deutlich niedrigeren Zinsen zu halten. Viele Sparer wechseln kein zweites Mal. Ein Zins, der nur für Neukunden gilt, ist kein Marktzins. Er ist ein Marketingbudget.

Die attraktivsten Angebote verlangen oft den größten Aufwand

Nicht jedes 4-%-Angebot ist dasselbe Produkt. Die 4,50 % von XTB sind kein klassisches Tagesgeld: Es setzt ein Handelskonto voraus, und während der bis zu 90 Tage dauernden Willkommensphase muss in jedem Kalendermonat mindestens eine Aktie oder ein ETF gekauft oder verkauft werden. Wer einen Monat auslässt, erhält auf sein Guthaben nur den Standardzins. Die Morgenpost weist zudem darauf hin, dass die Zinsen bei XTB vom Kunden in der Steuererklärung angegeben werden müssen.

Revolut verlangt ein Girokonto und nach dem ersten Monat in jedem 30-Tage-Zeitraum mindestens drei Kartenzahlungen von je 5 Euro oder mehr. Advanzia fordert eine Mindesteinlage von 5.000 Euro. Bei Chase, Ayvens und Openbank gibt es keine vergleichbaren Bedingungen.

Unsere Einschätzung: Die Spitzenzahl belohnt jene, die Zeit und Disziplin mitbringen. Wer eine monatliche Order vergessen würde, für den ist der halbe Prozentpunkt Vorsprung gegenüber einem einfacheren 4,0-%-Angebot wohl eine Illusion. Die Redaktion der Morgenpost nennt in dem anderen Beitrag Chase und die VW Bank als unkomplizierte Optionen mit deutscher Einlagensicherung und ohne komplizierte Bedingungen. Das ist ein vernünftiger Filter, und er zählt unserer Ansicht nach mehr als ein paar Zehntelpunkte.

Bei unveränderter EZB-Linie zählen Inflation und der fünfte Monat

Sind 4 % großzügig? Das hängt von den Preisen ab. Die Inflationsrate in Deutschland für Oktober wird laut vorläufiger Zahl bei 2,8 % erwartet. Ein Zins von 4 % lässt einen positiven Spielraum, aber einen bescheidenen, und das nur für wenige Monate. Sobald der Zins auf 2,25 % oder 1 % fällt, verliert man voraussichtlich Kaufkraft. Und anderswo im Euroraum ist das Bild nicht ruhig: Euronews berichtet, dass die Inflation in Italien im Oktober wegen teurerer Energie auf 5,4 % gestiegen ist. Wir wagen keine Prognose, was die EZB als Nächstes tut, doch es erinnert daran, dass sich der Preisdruck verschieben kann.

Was also tun als Sparer? Dies sind allgemeine Überlegungen, keine persönliche Beratung:

  • Den Notgroschen an einem einfachen, geschützten Ort halten und vor dem Transfer prüfen, welche Einlagensicherung beim Anbieter gilt.
  • Aktionszinsen für Geld nutzen, das sich verschieben lässt, und das Ende des Angebots im Kalender eintragen. Wer wechseln will, sollte wissen, was danach gezahlt wird.
  • Keinen Finanzplan auf einen Zins gründen, der nur für wenige Monate garantiert ist.
  • Aufwand und Ertrag abwägen. Bei einem kleineren Guthaben bedeutet ein halber Punkt nur wenige Euro.

Fazit

Die 4-%-Angebote sind echt und einen Blick wert, vor allem die schlichten ohne Hürden. Man sollte sie aber als Taktik für überschüssiges Geld begreifen, nicht als Strategie. Zinsen ändern sich schnell, und der Folgezins ist die Zahl, die verrät, worauf man sich tatsächlich einlässt. Wer ihn vor der Schlagzeile liest, ist besser beraten.

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