Festgeld-Zinsen auf 14-Jahres-Hoch – aber nicht alles festlegen
Sparer in Deutschland erhalten so hohe Festgeld-Zinsen für lange Laufzeiten wie seit 2012 nicht mehr. Alles festzulegen wäre jedoch eine Wette auf den Zinsgipfel; besser ist eine Staffelung.
Foto: www.elbpresse.de / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Ist der beste Festgeldzins seit 14 Jahren ein Grund, das Geld ein Jahrzehnt lang zu binden – oder ein Grund zur Vorsicht? Aus unserer Sicht beides, und auf die Reihenfolge kommt es an.
Das wissen wir: Deutsche Medien, darunter t-online, berichten, dass die Zinsen für Festgeld (Termineinlagen mit fester Laufzeit) auf den höchsten Stand seit 2012 gestiegen sind. Laut einer Analyse von Verivox bringt zehnjähriges Festgeld im Schnitt 3,22 Prozent, so viel wie zuletzt im Juni 2012. Zweijährige Anlagen werfen durchschnittlich 2,76 Prozent ab. Beim Tagesgeld für Bestandskunden beziffert Verivox den Durchschnittszins auf 1,52 Prozent; befristete Neukundenangebote erreichen bis zu 4,5 Prozent.
Die Schlagzeile stimmt, ist aber ein Durchschnittswert
3,22 Prozent sind für ein Produkt ohne Marktrisiko ein guter Wert. Jahrelang mussten Sparer zusehen, wie Banken kaum etwas zahlten; man darf daher von einem günstigen Moment sprechen. Es handelt sich jedoch um einen Durchschnitt aus mehr als 800 Instituten. Die tatsächliche Rendite hängt vom konkreten Angebot ab, wie auch die Vergleichsportale selbst anmerken. Der Schlagzeile hinterherzulaufen, ohne Banken, Mindestanlagebeträge und Bedingungen der Einlagensicherung zu vergleichen, wäre ein Fehler.
Auffällig ist zudem eine Besonderheit: Die befristeten Tagesgeld-Aktionen mit bis zu 4,5 Prozent übertreffen den Zehnjahresdurchschnitt. Das macht Tagesgeld nicht besser. Solche Angebote gelten nur für Neukunden und sind befristet, der Zins dürfte danach also gut und gern sinken. Ein auf zehn Jahre festgeschriebener Zins von 3,22 Prozent ist ein anderes Versprechen. Die Frage ist, ob man dieses Versprechen will.
Zehn Jahre Bindung sind eine Prognose, kein sicherer Hafen
Festgeld fühlt sich wie die vorsichtige Wahl an, und mit Blick auf das Kapital ist es das auch. Eine lange Bindung ist aber eine Wette auf die Zinsentwicklung. Steigen die Zinsen weiter, ist das Geld auf niedrigerem Niveau gebunden, während bessere Angebote auftauchen. Fallen sie, steht man klug da.
Die vorliegenden Unterlagen mahnen zur Bescheidenheit. Eine Risikoeinschätzung von Coface für Österreich ist mit der Aussage überschrieben, geopolitische Krisen trieben Preise und Zinsen nach oben. Und laut einem Bericht zur US-Notenbank Federal Reserve hat sie ihren Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen; zwei Mitglieder stimmten für eine Erhöhung, und der Vorsitzende ließ eine Anhebung im Dezember offen. Das betrifft die USA, nicht die Eurozone, und die dortigen Bedingungen sollten wir nicht auf deutsche Sparer übertragen. Dennoch zeigt es, dass die Annahme, die Zinsen hätten offensichtlich ihren Höhepunkt erreicht, keineswegs gesichert ist. Niemand, auch wir nicht, weiß, wohin sie als Nächstes gehen.
Hinzu kommt die Inflation. Eine aktuelle deutsche Inflationsrate liegt uns nicht vor, deshalb nennen wir keine. Die Logik ist aber einfach: Entscheidend ist der Zins abzüglich der Preissteigerung und abzüglich etwaiger Steuern. Der Ertrag nach Inflation dürfte geringer ausfallen, als 3,22 Prozent nahelegen, und über zehn Jahre summieren sich selbst kleine Preissteigerungen. Die Schlagzeile ist daher als Obergrenze der realen Rendite zu verstehen, nicht als erwartete.
Staffeln: die langweilige Antwort, die gewinnt
Unsere Empfehlung lautet weder „festlegen“ noch „abwarten“, sondern: aufteilen. Das Geld, auf das man wirklich verzichten kann, sollte in Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten fließen, etwa zwei, fünf und zehn Jahre, dazu ein Notgroschen auf dem Tagesgeld. Wird eine Tranche fällig, wird zu den dann geltenden Zinsen neu angelegt. Das ist eine allgemeine Überlegung, keine persönliche Beratung; die eigene Situation, steuerliche Lage und Bedürfnisse unterscheiden sich.
Aus unserer Sicht trägt eine solche Staffelung in beiden Szenarien. Steigen die Zinsen weiter, rollen die kurzen Stufen in bessere Konditionen. Fallen sie, zahlt die lange Stufe weiter den festgeschriebenen Zins. Man verzichtet auf die Chance, perfekt richtigzuliegen, und ist dafür kaum Gefahr, gründlich danebenzuliegen.
Das Fazit: Die besten Zinsen seit 2012 verdienen es, genutzt zu werden, aber nicht auf einmal und nicht in der längsten Laufzeit. Einen Teil festlegen, mit dem Rest flexibel bleiben und bedenken: Ein fester Zins ist ein fester Zins, kein Geschenk.
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