Norwegens Staatsfonds verliert mit Anleihen: „sicher“ hieß nie „stabil“
Der größte Staatsfonds der Welt verbuchte im Quartal einen Verlust von 29,7 Milliarden Dollar, weil Anleihen nachgaben. Für Sparer lautet die Lehre: Wofür Anleihen eigentlich da sind.
KI-generiertes Bild
Wenn der größte Investor der Welt, mit Beteiligungen an rund 7.100 Unternehmen und Anleihen in 51 Ländern, sein Anleiheportfolio nicht aus den roten Zahlen halten kann, warum sollte dann Ihr „sicherer“ Rentenfonds davon verschont bleiben? Das ist die unbequeme Frage hinter den jüngsten Zahlen aus Norwegen.
Ein Fonds auf der Stelle, mit schmerzhaftem Anleiheanteil
Norges Bank Investment Management (NBIM) teilte mit, der Fonds habe im dritten Quartal 278 Milliarden Kronen oder 29,7 Milliarden Dollar verloren, wie CNBC berichtet. Die festverzinslichen Anlagen brachten minus 3,5 %, da die Renditen von Staatsanleihen stark stiegen, während die Federal Reserve und andere große Notenbanken begannen, die Zinsen anzuheben. Aktien, 72 % des Portfolios, erzielten 0,5 %.
Wie das Handelsblatt schreibt, war es der zweite Quartalsverlust des Fonds in diesem Jahr. Die Gesamtrendite lag bei minus 0,5 %, was Vize-Chef Trond Grande als nahezu unverändert bezeichnete. In Prozent ist das ein Kratzer. In Dollar ist es eine Schlagzeile.
Die Lehre lautet nicht, dass Anleihen schlecht sind, sondern dass sie kein Bargeld sind
Anleihekurse fallen, wenn die Renditen steigen. Das ist Arithmetik, kein Marktversagen. Ein Fonds, der wie NBIM etwa 70 % seiner festverzinslichen Anlagen in Staatsanleihen hält, spürt einen Zinsschock. Laut Handelsblatt stiegen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen im Quartal so stark wie seit etwa drei Jahrzehnten nicht mehr.
Unsere Sicht: Der Fehler liegt nicht darin, 2026 Anleihen zu besitzen. Der Fehler ist zu glauben, das Etikett „sicher“ beschreibe den Kursverlauf. Staatsanleihen sind sicher in dem Sinne, dass der Emittent sehr wahrscheinlich bei Fälligkeit zurückzahlt. Sie sind nicht sicher in dem Sinne, dass Ihr Depotauszug nie einen Rückgang zeigt. Viele Sparer werfen beides in einen Topf, und Quartale wie dieses trennen es wieder.
Die Frage lautet nicht „Sind Anleihen eine schlechte Anlage?“, sondern „Wie lange dauert es, bis ich das Geld brauche?“. Ein Anleihefonds mit langer Duration, also hoher Zinsempfindlichkeit, kann sich über wenige Monate wie ein riskanter Vermögenswert verhalten. Eine kurzfristige Anlage ist etwas anderes.
Diversifikation hat funktioniert, war aber nicht schmerzfrei
Hier das Gegenargument, und es zählt. Der Fonds schloss nahezu unverändert, weil Aktien, Immobilien (0,4 %) und Infrastruktur für erneuerbare Energien (7,5 %) kleine oder positive Renditen erzielten und den Anleiheverlust abfederten. Energieaktien legten zu, während zinssensible Sektoren wie Versorger und Immobilien nachgaben, so Grande. Die Diversifikation hat ihre Aufgabe erfüllt: Aus minus 3,5 % im Anleiheteil wurden minus 0,5 % für das Ganze.
Doch die Grenzen sind zu beachten. Dies folgte auf ein erstes Halbjahr mit einem Rekordgewinn von knapp 185 Milliarden Dollar, und Konzernchef Nicolai Tangen hatte bereits gewarnt, Anleger sollten künftig nicht mit ähnlichen Renditen rechnen. Ein Fonds mit einem Horizont von mehreren Jahrzehnten und ohne Verkaufszwang kann ein schlechtes Quartal vermutlich wegstecken. Ein Haushalt, der in zwei Jahren eine Anzahlung oder Einkommen im Ruhestand braucht, kann das nicht.
Auch der Fonds überdenkt seine Strategie, und das ist aufschlussreich
Im September schlug NBIM vor, den Anteil von Staatsanleihen in seinem Anleiheindex auf 50 % zu senken, was laut Reuters den Abbau von knapp 80 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen bedeuten würde. Das Wall Street Journal beschrieb das Ziel als Beimischung riskanterer Schuldtitel. Wir lesen darin ein Zeichen, dass selbst der Gigant Staatsanleihen nicht für ein Geschenk hält. Das ist unsere Interpretation, nicht die erklärte Begründung von NBIM, und der Schritt liegt vor dem Verlust dieses Quartals.
Fazit
Trennen Sie sich nicht von Anleihen, nur weil Norwegen ein schlechtes Quartal hatte, und tun Sie nicht so, als wären sie ein Sparkonto. Kennen Sie die Duration Ihrer Anlagen, stimmen Sie sie auf den Zeitpunkt ab, an dem Sie das Geld brauchen, und halten Sie echtes Bargeld für kurzfristigen Bedarf vor. Dies ist keine individuelle Beratung, und Regeln und Steuern unterscheiden sich je nach Land. Das Prinzip gilt dennoch: Der scheinbar sicherste Vermögenswert kann kurzfristig Geld verlieren, und ein Fonds mit 2,3 Billionen Dollar hat das soeben bewiesen.
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