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Invesfera-Redaktion
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Renditen in Schwellenländern wirken großzügig, bis die Währung die Rechnung schickt

Von Manila bis Kiew erhöhen Notenbanken wegen der Inflation die Zinsen, und der Kursverfall des Peso zeigt das Risiko. Wer hohe lokale Renditen sucht, sollte das Wechselkursrisiko einrechnen.

Veröffentlicht
30. Oktober 2026
Lesezeit
4 min
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Ist ein Leitzins von 5,5 % hoch oder niedrig? Auf den Philippinen lautet die ehrliche Antwort derzeit: Das hängt davon ab, was der Peso als Nächstes tut. Das ist das gesamte Dilemma der Schwellenländer in einem Satz, und viele Sparer übersehen es, wenn sie auf dem Bildschirm eine verlockende Rendite sehen.

Das ist in diesem Monat passiert. Die philippinische Zentralbank hat ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 5,5 % angehoben, eine größere Erhöhung als erwartet, wie Reuters berichtet; die Bank selbst nannte den Schritt „entschlossen“. Bloomberg berichtet, sie habe die Bereitschaft zu weiteren Straffungen signalisiert, auch um einen Peso zu stützen, der auf ein Rekordtief gefallen ist. Auch die ukrainische Zentralbank hat gehandelt: Sie hob ihren Zins von 16 % auf 16,5 % an und erhöhte zugleich ihre Inflationsprognose für das Jahresende auf 12,5 %.

Eine Zinserhöhung ist verkappte Währungspolitik

Lehrbücher sagen, Notenbanken erhöhten die Zinsen, um die Inflation zu bekämpfen. In Schwellenländern löschen sie in der Praxis oft zwei Brände mit einem Schlauch. Eine schwächere Währung verteuert Importe, das treibt die Inflation, das erzwingt höhere Zinsen, das belastet das Wachstum. Abwarten ist teuer; erhöhen ist ebenfalls teuer. Das ist der Zielkonflikt.

Die Federal Reserve ist ein wichtiger Teil des Hintergrunds. Wie die Redaktion von Mint anmerkt, hat die Fed diese Woche die Zinsen unverändert gelassen, nach der ersten Erhöhung seit mehr als drei Jahren im vergangenen Monat; die Märkte preisen zwei weitere Erhöhungen ein. Mints Sorge mit Blick auf Indien: Ein schrumpfender Renditeabstand zu US-Anlagen könnte Kapitalabflüsse beschleunigen und die Reserve Bank of India zu einer Reaktion drängen. Wir würden das nicht auf jedes Land übertragen, aber der Mechanismus ist entscheidend: Wenn Washington die Zügel anzieht, verlieren andere Notenbanken womöglich etwas Spielraum bei der Wahl ihres eigenen Tempos.

Die Philippinen halten wir für das klarste Fallbeispiel. Die Schlagzeile eines lokalen Mediums nannte eine Inflation von 7,2 %, obwohl die Zentralbank für 2026 einen Durchschnitt von 6,1 % projiziert hatte; der Leitzins liegt bei 5,5 %. Sollte der höhere Wert Bestand haben, läge der Leitzins weiterhin unter der Inflation – das ist unsere eigene Überschlagsrechnung, nicht die der Zentralbank. Eine Bank in dieser Lage erhöht die Zinsen nicht, weil es ihr Freude macht, sondern weil die Alternative eine Währung wäre, die weiter abrutscht.

Die Rendite ist die Werbung, die Währung das Kleingedruckte

Nun zur Seite der Sparer. Ein hoher lokaler Zins ist verlockend, und er ist keine Illusion. State Street Global Advisors argumentiert, die Notenbanken der Schwellenländer hätten mehr Glaubwürdigkeit als 2021–2022, und die Renditen böten ein „spürbares Carry-Polster“. KPMG sagt ähnlich, die Straffung der Fed habe dank hart erarbeiteter Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation weniger Übertragungseffekte auf die Schwellenländer als früher. Das sind berechtigte Punkte, und sie bilden das optimistische Szenario.

Aber ein Polster ist keine Garantie. Nehmen wir ein rein hypothetisches Beispiel: Eine lokale Anleihe zahlt 6 % im Jahr, und die Währung verliert im selben Zeitraum 8 % gegenüber dem Dollar. Ein Anleger mit Dollar-Basis liegt dann vor allen anderen Risiken etwa 2 % im Minus. Die Rendite war real; der Währungsverlust auch. Meist bekommt die zweite Zahl nur eine Fußnote, und das ist unserer Ansicht nach verkehrt. Für jeden, dessen Ausgaben in einer anderen Währung anfallen, ist der Wechselkurs kein Nebeneffekt der Rendite. Er ist ein Bestandteil davon und aus unserer Sicht oft der größte Schwankungsfaktor.

Umgekehrt gilt das auch für Menschen, die vor Ort leben und ausgeben. Wenn Gehalt, Miete und Lebensmittel in Peso anfallen, schützt ein hoher Peso-Einlagenzins vor der lokalen Inflation, und die Währung spielt eine geringere Rolle. Die erste Frage lautet also nicht „Welches Land zahlt am meisten?“, sondern „In welcher Währung werde ich dieses Geld brauchen?“.

Was ein vernünftiger Sparer daraus macht

Wir sind nicht dazu da, jemandem zu sagen, was er kaufen soll, und Regeln und Steuern unterscheiden sich von Land zu Land, also sollte man die eigenen prüfen. Einige Grundsätze bleiben jedoch gültig.

Erstens: Renditen mit der Inflation und dem Währungsrisiko vergleichen, nicht untereinander. Ein Nominalzins unterhalb der lokalen Inflation ist das Versprechen, langsam Kaufkraft zu verlieren.

Zweitens: Eine Notenbank, die „entschlossen“ erhöht, sendet ein Signal von Entschlossenheit, aber auch von Stress. Es kann bedeuten, dass die Institution es ernst meint. Es kann auch bedeuten, dass die Währung unter einem Druck steht, den Zinsen allein womöglich nicht beheben, zumal wenn die Fed die Zügel weiter anzieht – eine Markterwartung, keine Gewissheit.

Drittens: Das Engagement in Schwellenländern so bemessen, dass ein schlechtes Währungsjahr die eigenen Pläne nicht aus der Bahn wirft. Diversifikation über Währungen hinweg ist langweilig, und genau darin liegt ihr Vorzug.

Unser Fazit: Der Zielkonflikt der Notenbanken in den Schwellenländern ist real und wird wohl nicht verschwinden, solange die US-Zinsen ungewiss bleiben und die Inflation hartnäckig ist. Am besten fahren jene Sparer, die eine Rendite so lesen wie ein Notenbanker: als eine Hälfte einer Gleichung, deren andere Hälfte der Wechselkurs ist.

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